Wie viele Faustballer gibt es?
Ein offener Brief an alle Faustballer
Stuttgart (DFBL/aob) In einem offenen Brief wendet sich Alwin Oberkersch, Beauftragter für Zukunftsfragen und Weiternentwicklung an alle Faustballer. Dabei thematisiert er die aktuellen Entwicklungen und besonders das Thema Mitgliederverwaltung in Deutschland. Rückfragen oder Anmerkungen werden gerne beantwortet unter Alwin.Oberkersch(at) faustball-liga.de
Liebe Faustballfreunde,
wie viele Faustballer und Faustballvereine gibt es tatsächlich in Deutschland? Diese Frage lässt mir keine Ruhe, denn die Beantwortung ist derzeit schlichtweg nicht möglich! Ein Umstand, der eigentlich erschreckend ist – wie konnten wir Faustballer in ganz Deutschland diese Tatsache nur so lange ignorieren?
Das Thema Mitgliederverwaltung ist beim Turnerbund leider – sagen wir einmal – suboptimal gelöst. Denn die Datenerfassung läuft über zwei Wege ab:
Zum einen melden die Vereine jährlich ihre Mitgliederzahlen an die Landessportbünde (LSB). Bei dieser Erfassung fordert der Landessportbund zum einen die Gesamtzahl der Mitglieder eines Vereins, als daneben auch die Einzelmeldung der Sportler in den Sportarten. Denn diese Zahlen werden danach vom Landessportbund an die Sportverbände des Landes weitergemeldet.
Der klassische Mehrspartenverein meldet also beispielsweise seine Skifahrer, damit der LSB diese Zahl an den Skiverband des Landes weitergeben kann. Ebenso meldet er natürlich eine Gesamtzahl für den Turnerbund des Landes, in dem er alle Sportler/innen zusammenzählt, die im Sportverein z.B. Gertätturnen, Gymnastik oder eben Faustball betreiben.
Diese Gesamtzahl bekommt der Landesturnerbund dann als Statistik eines Jahres: Anzahl Turner 2010, und wie viele von diesen Faustballer, Gymnastinnen oder Gerätturner sind – das ist nicht mehr nachvollziehbar.
Eine andere Systematik zur Erfassung haben unsere Turnerbünde in der Regel nicht, denn scheinbar hat man kein Interesse an einer differenzierten Mitgliederstatistik. Dass man mit 5 Millionen “Turnern” an Rang zwei der deutschen Sportverbände liegt, ist wohl als Information ausreichend.
Bleibt beim Turnerbund noch der Weg über die Spielerpässe, der ja auch praktiziert wird, und der uns seit Jahren als “offizielle” Zahl vorliegt und auch so verwendet wird.
Doch haben wir uns jemals gefragt wie aussagekräftig diese Zahl ist?
Ein Pass beispielweise, der vor 4 Jahren ausgestellt wurde, von einem Faustballer, der damals ein einziges Mal bei einem Spieltag war und danach nie wieder beim Faustball gesehen wurde, wird heute noch in dieser Statistik geführt.
Die Zahl von der wir aufgrund dieser Erfassungsmethode ausgehen (übrigens war diese zum Jahresabschluss 2009: 27.335) ist also mit Sicherheit zu hoch.
Auf der anderen Seite aber haben nahezu alle Faustballabteilungen auch Mitglieder, die überhaupt keinen Spielerpass haben, die als Helfer, Förderer, Gönner, Betreuer o.Ä. in der Faustballabteilung oder im Faustballverein Mitglied sind, und sich natürlich ebenfalls als Faustballer sehen, aber von dieser Statistik nie erfasst werden.
Diese Tatsache betrachtend, ist die alleinige Zahl der Spielerpässe also mit Sicherheit deutlich zu niedrig.
Wo also liegt die Wahrheit zwischen diesen ungenauen Schätzwerten, die wir als „offizielle Statistik“ anerkennen, die aber offensichtlich diesem Anspruch niemals gerecht werden kann?
Von 27.335 Faustballern in 772 Vereinen mit Faustballspielbetrieb gehen wir also derzeit Deutschlandweit aus.
Mitglied in der DFBL sind zum heutigen Stand 279 Vereine (was 36% aller Vereine entspricht), und diese haben 16.160 Faustballer aus ihren Reihen gemeldet. Eine Zahl in der sowohl aktive Spieler als auch passive Mitglieder enthalten sind.
Gehen wir bisher von der Richtigkeit der „offiziellen Passzahl“ von 27.335 aus, so verbleiben für die restlichen 493 Vereine lediglich 11.000 Faustballer, also rund 20 Faustballer im Schnitt.
Während das den Pessimisten unter uns vielleicht noch als realistisch erscheinen könnte, da wir die größten Verein vielleicht ja schon in der DFBL haben, wird beim Beispiel Niedersachsen deutlich, wie wenig wir uns dennoch auf diese Zahlen verlassen dürfen:
4.182 Faustballer in 160 Vereinen wurde als offizielle Zahl aus Niedersachsen gemeldet.
60 Vereine aus Niedersachsen, die bereits DFBL Mitglied sind, haben allerdings schon 3.994 Faustballer gemeldet. Dass auf die restlichen 100 Vereine insgesamt nur rund 200 Faustballer entfallen, das kann beim besten Willen nicht der Wahrheit entsprechen.
Vielleicht gibt es in Deutschland tatsächlich rund 27.000 Faustballer. Vielleicht sind es auch weniger, aber vielleicht sind es auch (wie in Niedersachsen offensichtlich) viel mehr als bisher angenommen.
Wir wissen es einfach nicht, und in unserer bisherigen Verwaltung kann es uns auch niemand sagen, und in dieser scheint es auch niemanden zu kümmern.
Aber wie sollen wir nun unsere Sportart anständig verwalten? Wie sollen wir aktuelle Entwicklungen und Tendenzen ablesen und adäquat auf diese reagieren, wenn uns die einfachsten statistischen Informationen über unsere Sportart fehlen? Wenn wir nicht einmal wissen, wie viele Faustballer es in Deutschland denn nun wirklich gibt? Ganz abgesehen davon dass jegliche Informationen über Altersstrukturen oder sogar die Aufteilung auf männliche und weibliche Faustballer fehlen.
Die Deutsche Faustball-Liga hat inzwischen auf diese Problematik reagiert und eine eigene Mitgliederverwaltung eingeführt. In dieser sind bereits alle Daten der Mitgliedsvereine erfasst: 279 Vereine mit 16.160 Faustballern – verbindlich! Doch natürlich kann die DFBL auch nur auf die Daten der Vereine zurückgreifen, die Mitglied sind und als solches ihre Mitgliederzahl melden.
Zum Glück werden es täglich mehr Vereine, die begreifen, dass es nicht ausreicht, sich über die Missentwicklungen und die schlechte Situation des Faustballs zu beschweren, sondern dass jeder einzelne Verein nun mit anpacken muss, denn der Startschuss ist gefallen. Wir wollen nicht mehr so dahin dümpeln, negative Ragmebedingungen einfach so akzeptieren und dabei nicht vom Fleck kommen!
Hoffentlich werden sich auch die restlichen rund 500 Vereine bald ihrer Verantwortung für die Sportart bewusst, werden Mitglied in der DFBL, melden ihre Mitgliederzahlen und ermöglichen somit endlich eine anständige Datenbasis die wir so dringend benötigen!
Durch die Möglichkeit für Vereine kostenfrei Mitglied zu werden (vorausgesetzt sie spielen weder bei Regionalmeisterschaften noch in der Bundesliga) steht jetzt nur noch das Ausfüllen des Mitgliedsantrages zwischen diesen 500 Vereinen und der Mitgliedschaft. Nicht einmal mehr ein finanzieller Beitrag ist nötig. Nur noch der Wille den Faustball in Deutschland mit voran zu bringen, die Bereitschaft zu zeigen: Auch mein Verein will die Zukunft mitgestalten, auch in meinem Verein macht man sich Gedanken um die Zukunft des Faustballs und ist bereit sich der breiten Phalanx an Faustballvereinen anzuschließen, die durch ihre Mitgliedschaft zeigen: Wir wollen etwas bewegen, wir sind die Generation die für den Faustball Geschichte schreibt!Und so sind alle Vereine aufgerufen, Mitglied in der DFBL zu werden. Ein Aufwand von 5 Minuten, der für die Zukunft unserer Sportart doch für jeden Faustballer ein Klacks sein sollte, und der unsere Sportart auf einen Schlag einen großen Schritt nach vorne bringen würde.
In diesem Sinne verbleibe ich mit sportlichen Grüßen und stehe für Rückfragen von Ländern, Vereinen und Faustballern gerne zur Verfügung!
Alwin Oberkersch
Beauftragter für Zukunftsfragen und Weiterentwicklung
Bild: Olly Betker








